Grundregeln der Trauerkarten-Etikette
Die 7 goldenen Regeln
- 1. Zeitnah senden: Innerhalb von 7 Tagen nach Todesnachricht, spätestens 2 Wochen
- 2. Handschriftlich: Persönliche Handschrift zeigt Wertschätzung (Ausnahme: bei sehr unleserlicher Schrift)
- 3. Authentisch bleiben: Ehrliche, eigene Worte statt Floskeln
- 4. Kurz & prägnant: 3-8 Sätze reichen völlig aus
- 5. Konkret werden: Spezifische Erinnerung teilen, wenn möglich
- 6. Hilfe anbieten: Aber konkret, nicht „Wenn du was brauchst..."
- 7. Name des Verstorbenen nennen: Nicht „Ihr Verlust", sondern „Maria" oder „Ihr Vater"
Was Sie vermeiden sollten
❌ Tabus
- • „Ich weiß, wie du dich fühlst" (Sie wissen es nicht!)
- • „Es ist besser so" / „Erlösung"
- • „Die Zeit heilt alle Wunden"
- • „Sei stark" / „Du musst jetzt stark sein"
- • „Gott hat ihn zu sich geholt" (nicht bei allen tröstlich)
- • „Du bist noch jung, du findest jemand Neues"
- • Vergleiche mit eigenen Verlusten
✓ Besser so
- • „Ich denke an dich/euch"
- • „Es tut mir so leid"
- • „Ich bin für dich da"
- • „[Name] wird uns sehr fehlen"
- • Konkrete Erinnerung teilen
- • „Ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer das ist"
- • Stille Anteilnahme ohne viele Worte
Psychologischer Hintergrund
Studien zur Trauerpsychologie (Stroebe & Schut, 2001) zeigen: Trauernde brauchen nicht „aufmunternde" Worte oder Ratschläge, sondern Anerkennung ihres Schmerzes und das Gefühl, nicht allein zu sein. Die wirksamste Botschaft: „Ich sehe deinen Schmerz, ich bin da."
Aufbau einer Trauerkarte
1. Anrede
Nah stehend: „Liebe Anna", „Lieber Thomas"
Förmlich: „Sehr geehrte Frau Müller", „Liebe Familie Schmidt"
Kollegen: „Lieber Herr Meyer und Familie"
2. Beileidsbekundung
Direkt zum Punkt kommen. Beispiele:
• „Mit tiefer Bestürzung haben wir vom Tod deiner Mutter Maria erfahren."
• „Die Nachricht vom plötzlichen Tod deines Vaters hat uns sehr erschüttert."
• „Es tut mir so leid, dass Thomas von uns gegangen ist."
3. Persönliche Erinnerung (optional, aber wertvoll)
Eine konkrete, positive Erinnerung:
• „Ich erinnere mich gern an unsere gemeinsamen Grillabende, bei denen er immer für gute Laune sorgte."
• „Ihre Herzlichkeit und ihr Lachen werden mir immer in Erinnerung bleiben."
• „Ich bewunderte seinen Mut und seine Lebensfreude."
4. Anteilnahme ausdrücken
• „In tiefer Verbundenheit"
• „Wir sind in Gedanken bei dir/euch"
• „In dieser schweren Zeit möchte ich dir sagen, dass du nicht allein bist"
5. Hilfsangebot (optional)
Konkret statt vage!
❌ „Wenn du etwas brauchst, melde dich"
✓ „Ich rufe dich nächste Woche an, um zu hören, wie es dir geht"
✓ „Ich bringe euch am Samstag eine Lasagne vorbei"
✓ „Ich kann die Kinder am Mittwoch abholen, wenn du Besorgungen machen musst"
6. Schlussformel
• „In aufrichtiger Anteilnahme"
• „Mit herzlichem Beileid"
• „In tiefer Verbundenheit"
• „Mit mitfühlenden Gedanken"
• „In stiller Trauer"
15 Musterbeispiele
Für die Mutter einer Freundin
Liebe Sarah,
die Nachricht vom Tod deiner Mutter hat mich sehr traurig gemacht. Ich erinnere mich noch gut daran, wie herzlich sie mich immer empfangen hat, wenn ich bei euch zu Besuch war. Ihr Lachen und ihre Wärme werden mir fehlen.
In diesen schweren Tagen denke ich an dich und deine Familie. Du bist nicht allein.
In tiefer Verbundenheit,
[Dein Name]
Für den Vater eines Kollegen
Lieber Herr Müller,
wir haben mit großer Bestürzung vom Tod Ihres Vaters erfahren. Auch wenn wir ihn nicht persönlich kannten, spürten wir durch Ihre Erzählungen, wie wichtig er Ihnen war.
Unsere Gedanken sind in dieser schweren Zeit bei Ihnen und Ihrer Familie.
Mit aufrichtigem Beileid,
[Name] und das Team von [Firma]
Für den Partner/die Partnerin
Liebste Julia,
ich habe keine Worte für den Schmerz, den du jetzt durchmachst. Michael war ein wunderbarer Mensch, und seine Liebe zu dir war in jedem Moment spürbar.
Ich bin für dich da – für Gespräche, für Stille, für alles, was du brauchst. Ich rufe dich morgen an.
In Liebe und tiefer Trauer,
[Dein Name]
Bei plötzlichem Tod
Liebe Familie Schmidt,
wir sind fassungslos und tief erschüttert über den plötzlichen Tod von Thomas. Es ist schwer zu begreifen, dass er nicht mehr da ist.
In Gedanken sind wir bei euch und teilen euren Schmerz.
In stiller Anteilnahme,
[Name]
Bei langem Leiden
Lieber Frank,
nach der langen, schweren Zeit des Leidens ist deine Frau nun zur Ruhe gekommen. Ich bewundere die Kraft und Liebe, mit der du sie begleitet hast.
Auch wenn ihr Leiden ein Ende hat, weiß ich, dass dein Schmerz groß ist. Ich denke an dich.
In herzlicher Verbundenheit,
[Dein Name]
Kurz & prägnant (wenn Worte fehlen)
Liebe Anna,
es tut mir unendlich leid. Ich denke an dich.
In Liebe,
[Dein Name]
✓ Manchmal sagen wenige, ehrliche Worte mehr als viele gesuchte Formulierungen
💡 Tipp: Trauersprüche ergänzen
Viele Menschen ergänzen ihre persönlichen Worte mit einem sorgfältig ausgewählten Trauerspruch. Dieser sollte zur Situation und zum Verstorbenen passen.
Siehe unsere Sammlung: Trauersprüche für Karten
Spezialfälle
Tod eines Kindes
Besonders schwierig und heikel. Was hilft:
- • Namen des Kindes nennen
- • Keine Trostversuche („Du bist noch jung", „Du kannst noch Kinder bekommen")
- • Kurz und einfach: „Es gibt keine Worte. Ich denke an euch."
- • Langfristige Unterstützung anbieten (nicht nur in ersten Wochen)
Beispiel: „Liebe Familie Becker, der Verlust von Emma erschüttert uns zutiefst. Es gibt keine Worte, die euren Schmerz lindern könnten. Wir sind in Gedanken bei euch und werden Emma immer in Erinnerung behalten. In tiefer Trauer, [Name]"
Suizid
Sehr sensibel. Angehörige haben oft Schuldgefühle, Scham, Wut.
- • Todesursache nicht thematisieren, wenn unklar ob Familie offen damit umgeht
- • Keine Bewertungen oder Erklärungsversuche
- • Fokus auf Mitgefühl, nicht auf Umstände
- • Auf keinen Fall: „Hättet ihr nicht..." oder „Warum habt ihr nicht..."
Beispiel: „Lieber Martin, die Nachricht von Pauls Tod hat mich tief getroffen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer diese Zeit für dich ist. Paul war ein besonderer Mensch. Ich bin für dich da. In Mitgefühl, [Name]"
Wenn man den Verstorbenen nicht mochte
Trauerkarte ist für die Hinterbliebenen, nicht für Verstorbenen.
- • Fokus auf Beziehung der Hinterbliebenen zum Verstorbenen
- • Neutrale Formulierungen wählen
- • Keine Heuchelei – nicht über Verstorbenen schreiben, wenn nichts Ehrliches zu sagen ist
- • Stattdessen: Mitgefühl für Trauernde ausdrücken
Beispiel: „Liebe Sabrina, in dieser schweren Zeit denke ich an dich. Der Verlust eines Elternteils ist immer schmerzhaft. Ich wünsche dir Kraft. In Anteilnahme, [Name]"
Praktische Fragen
Welches Papier/Karte wählen?
• Klassisch: Schlichte, dezente Karten (weiß, creme, grau, schwarz)
• Motive: Natursymbole (Baum, Sonnenuntergang, Kerze, Blume) oder religiöse Symbole (Kreuz, Engel)
• Vermeiden: Kitschige Motive, grelle Farben, Comic-Elemente
• Alternative: Selbstgebastelte Karte zeigt besondere Wertschätzung
Wann elektronisch OK?
Grundsätzlich: Handschriftlich bevorzugt. ABER:
• Bei großer geografischer Distanz + Zeitdruck: E-Mail/Messenger OK
• Bei jüngerer Generation: WhatsApp durchaus akzeptiert
• Wichtig: Persönlich formulieren, nicht Copy-Paste-Text
• Am besten: Digitale Nachricht + handschriftliche Karte nachsenden
An wen adressieren?
• Primär: An engste Hinterbliebene (Partner, Kinder)
• Bei Familie: „Familie Müller" oder „Anna Müller und Familie"
• Mehrere Karten? Bei sehr nahen Beziehungen kann jedes Familienmitglied eigene Karte bekommen
• Wo hinsenden? Privatadresse, nicht Arbeitsplatz
Verwandte Ressourcen
Weitere Hilfe benötigt?
Durchsuchen Sie unsere Sammlung von über 500 Trauersprüchen und Vorlagen
Trauersprüche durchsuchen